Montag, 17. März 2014

Pokémon Center und japanische Banken

Dienstag, 10.12.2013

Mein vorletzter Tag in Tokyo bricht an.
Per LINE Messenger verabrede ich mich mit Reina um 16:00 am Pokémon Center (klingt irgendwie surreal ^o^).
Als ich aufwache, begrüßt mich ein koreanisches Mädchen, Gemma, das seit gestern Nacht im Hostel ist.
Gemma geht mit mir eine rauchen und erzählt mir in noch schlechterem Englisch als dem der Japaner, dass sie schon einmal in Wien war und bald wieder kommt.
Ich sage ihr, dass ich heute zum Pokémon Center fahre, und frage, ob sie mitkommen möchte, aber sie fährt nach Yokohama.
Bevor ich los muss, addet sie mich noch schnell auf Facebook.

Zu allererst will ich zur Bank, ich möchte noch einige Souvenirs kaufen und sollte dazu noch ein paar Euro in Yen wechseln.
Bereits am Sonntag hatte ich Reina gefragt, wie ich denn eine Bank in Tokyo erkennen kann, und da wir zufällig gerade an einer vorbei gelaufen sind, hat sie mir empfohlen, einfach die Kanji für "Bank" ab zu fotografieren - "because, you know, japanese people poor Engrish".
Ein sehr guter Rat wie sich heute herausstellt, denn egal wen ich frage, keiner kann mir weiterhelfen, nicht einmal als ich einen Euro und einen Yen Schein zur Veranschaulichung von "money exchange" in Händen halte.
So ist das hier mit dem Englisch, man glaubt es nicht bis man es selbst erlebt hat!
Nachdem ich eine Zeit lang mit den Kanji für "Bank" am Handy durch Asakusas Straßen irre, werde ich endlich fündig.

Bank ^^


Ich gehe hinein und kenne mich erstmal gar nicht aus, alle Leute sitzen auf bequem aussehenden Leder-Stühlen und lesen Zeitung. Ja richtig, lesen Zeitung.
Eine Mitarbeiterin kommt auf mich zu und erklärt mir in gebrochenem Englisch, wie das alles so läuft in einer japanischen Bank.
An einem Automaten muss ich ein Ticket mit einer Nummer drauf ziehen, dann soll ich mich hinsetzen und warten, bis meine Nummer an einem der Schalter aufleuchtet.
In meinem Fall geht das sehr schnell, es sieht so aus, als hätte die komplette Bank den Mitarbeiter mit dem besten Englisch ausfindig gemacht, um dem Gaijin zu helfen. Sehr löblich :)
Ein älterer Herr geht mit mir, merklich angestrengt, die ganze Prozedur durch und ich bekomme nach etwa 20 Minuten endlich die paar Yen, die ich haben wollte.
Da das mit dem Geld nun geklärt ist, mache ich mich auf den Weg zum Pokémon Center (3 Stunden früher als abgemacht, aber das ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst).

Zur U-Bahn schlendernd kommt mir schreiend ein Mann mittleren Alters mit den Worten "WAIT! STOP! YOU LOOK EUROPEAN!" entgegen.
Ich bleibe stehen und er fragt mich, ob ich Englisch spreche und ihm und seinen drei Begleitern vielleicht dabei helfen kann, zu einer U-Bahn Station zu gelangen.
Da ich gerade selbst unterwegs zur Tawaramachi Station bin, nehme ich sie mit.
Die zwei portugiesischen Pärchen erzählen mir, dass sie erst gestern in Tokyo angekommen sind und nicht gedacht hätten, dass man mit Englisch hier nicht weit kommt.
Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass es hier nicht nur mir so geht.

Als ich schließlich in der Bahn sitze, bemerke ich, dass es erst 13:00 ist, und ich ärgere mich, weil ich nicht weiß, was ich mit der Zeit alleine anfangen soll.
Ich steige also spontan in Ueno aus und sehe mir die Gegend an.
An einem riesigen Zebrastreifen stehen einige Japaner, die zögernd zur Ampel sehen und dann tatsächlich bei rot die Straße überqueren, dazu ertönt, ohne Witz, "gonna fly now" aus Rocky Balboa.
Ein wunderbares Bild, ein paar badass Japaner und dazu die badass Musik schlechthin, ich muss lachen.
In Ueno kaufe ich mir das obligatorische "I <3 Japan" Shirt und bin ziemlich genervt, weil ich mir im Ghibli Store nichts leisten kann.
Da steht doch tatsächlich eine Nachbaut des Badehauses aus Chihiros Reise ins Zauberland!!!
Um 500.000 Yen (3545 Euro) jedoch leider unleistbar, Mist.

Irgendwann fahre ich dann einfach los nach Hamamatsucho, und verlasse die Station am, wie sollte es auch anders sein, falschen Ausgang.
Ich bin umgeben von Wolkenkratzern und in der Ferne kann ich den Tokyo Tower sehen.
Da ich ja nicht in Eile bin, genieße ich die Umgebung - es ist nach diesen paar Tagen immer noch unwirklich, hier zu sein.
Vor dem Pokémon Center warte ich auf Reina, und wir gehen rein.
Ein Kindheitstraum, der sich mir gerade erfüllt!
Ich kaufe einige Mitbringsel und ein Plüsch Pikachu für mich :3
Bevor wir zum Tokyo Tower gehen, halten wir am Zojoji Schrein, wo gerade eine buddhistische Zeremonie stattfindet.
Es ist wunderschön ("soo beautiful") den Mönchen zuzusehen, solch eine Ehre am letzten Abend, wirklich ergreifend.
Wir fahren noch einmal nach Harajuku und essen gemeinsam, dann mache ich mich langsam auf den Weg zurück ins Hostel, schließlich muss ich noch packen.
Mit einem letzten Asahi Bier lasse ich den Abend ausklingen und gehe früh ins Bett.

Kuriosität #7
Japanische Banken. Die wartenden Leute scheinen keine Eile zu haben, sie sitzen alle seelenruhig da und warten. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie Europäer sich in einer solchen Situation verhalten würden. Wieder einmal beeindruckt mich die Disziplin der Japaner.

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