Sonntag, 20. April 2014

Unemployment? Impossible!

Dass die Arbeitsmoral wohl in Japan erfunden wurde, ist euch allen sicher nicht fremd.
Aber wie sieht es nun wirklich aus mit der japanischen Arbeitswelt?
Sofern ich das mitbekommen habe, ist Arbeitslosigkeit in Japan ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich hatte bereits im Flugzeug so einige Bedenken bezüglich dem Zurechtkommen am Flughafen, aber was wäre Japan ohne seine freundlichen Arbeiter, die einem lächelnd und nickend den richtigen Weg zeigen.
Soweit ich das beobachten konnte, waren die netten Herren mit Anzug und weißen Handschuhen wirklich nur dazu da, um den Touristen, und natürlich auch den Japanern, den richtigen Weg zu zeigen.
An der Schlange, die sich hinter dem Alien Immigration Schalter (bin ich die Einzige, die diese Bezeichnung doof findet?) bildete, stand eine Dame, die sicher stellte, dass auch jeder Tourist sein Einreiseformular und seinen Reisepass in Händen hielt, um keine Verzögerungen zu verursachen.
Mitten im Flughafen stand auch eine junge Frau mit einer Mappe in ihrer Hand, die jedem freundlich zulächelte.
In ihrer Mappe befanden sich diverse Pläne aller Stockwerke des Flughafens - ihr Job war es also, den Leuten anhand von Karten den richtigen Weg zu zeigen.

Auf guten Service trifft man in Tokyo sogar bei McDonald's, es gibt in jeder Filiale Mitarbeiter, die einem den Abfall förmlich aus den Händen reißen, um ihn dann vorschriftsgemäß zu trennen.
Ich als unwissender Gaijin wollte das natürlich selbst erledigen, doch bereits als ich mich den Mülleimern näherte, nahm mir ein Angestellter lächelnd das Tablett aus der Hand und verbeugte sich.
Ja, ihr lieben McDonald's Filialleiter in Österreich, da könnt ihr euch eine seeehr dicke Scheibe abschneiden!

Am lustigsten fand ich jedoch die Straßenarbeiter.
Wenn zwei Japaner arbeiten, steht ein dritter daneben, um die Arbeit der anderen zu beaufsichtigen.
Außerdem gibt es dann noch die netten Herren mit Uniform und Helm, die den Verkehr vor einer Baustelle mit einer Art Lichtschwert à la Star Wars regeln, völlig egal ob Autos unterwegs sind oder nicht - die Disziplin lässt wieder einmal grüßen.

In manchen U-Bahn Stationen (z.B. Asakusa) konnte ich ein sehr amüsantes Schauspiel beobachten.
Da gab es doch tatsächlich uniformierte Tokyo Metro Angestellte, die mit einem knüppelartigen Ding eine Art Balztanz aufgeführt haben.
Ich dachte zuerst, dass sie sich gegenseitig Zeichen geben, wenn ein Zug einfährt oder den Bahnhof verlässt, jedoch "tanzten" sie völlig unabhängig von den Abfahrts- und Ankunftszeiten.
Es ist wirklich schwer, den genauen Ablauf ihrer Bewegungen zu beschreiben, aber von Bücken bis um die eigene Achse drehen war alles dabei.
Falls ich im Mai wieder solche Mitarbeiter entdecke, werde ich natürlich sofort ein Video für euch machen.
Da ich gerade beim Thema Tokyo Metro bin - es sind auch in vielen Stationen uniformierte Herren zu sehen, die die vorbeilaufenden Personen zählen.
Ob das jedoch deren einzige Aufgabe ist, weiß ich leider nicht.

Wenn man in Tokyo durch die belebteren Gegenden spaziert, wird man förmlich dazu gezwungen, etwas zu kaufen.
Vor jedem größeren Laden stehen (hauptsächlich) junge Mädchen, die einen mit Megafon bewaffnet auf die super Angebote hinweisen, die es genau heute zufällig gibt!

Generell ist mir aufgefallen, dass in Tokyo sehr viele Leute eine Uniform tragen.
Zuhause habe ich mich dann genauer mit diesem Thema befasst und herausgefunden, dass die Uniformen den Leuten Zugehörigkeit vermitteln sollen - man arbeitet also nicht für sich und seinen Lebensunterhalt, sondern für eine Firma, eine Gemeinschaft.
Angestellte verzichten aus Loyalität zur Firma und den Kollegen auch in vielen Fällen auf ihren Jahresurlaub - in Europa unvorstellbar.
Der Durchschnittsjapaner arbeitet jährlich außerdem ca. 400 Stunden mehr als ein durchschnittlicher Deutscher.

Laut Wikipedia liegt die Arbeitslosenquote in Japan bei 4%, was nahezu Vollbeschäftigung bedeutet.
Die Leute wollen dort einfach arbeiten, die Motivation für die Arbeit gehört genauso zur japanischen Kultur wie die Teezeremonie.
Wie wir bestimmt alle wissen, gibt es in Japan doppelt so viele Suizide als in Deutschland, die meisten Leute bringen sich aufgrund von zu viel Stress in der Arbeit um.
Karoshi (Tod durch Überarbeitung) kommt in Japan leider auch sehr häufig vor, es gibt sogar 40 japanische Kliniken, die sich auf Patienten mit Anzeichen dieser "Krankheit" spezialisiert haben.
Der Tod tritt in den meisten Fällen als Folge eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalles ein, ausgelöst durch Stress.
Ich finde es tragisch, dass es dafür überhaupt ein eigenes Wort gibt...



Sonntag, 13. April 2014

Japanische Schilder

Heute komme ich zu einem Thema, das den ein oder anderen bestimmt schon einmal zum Lachen gebracht hat.
Ich spreche von japanischen Schildern.
Wenn ihr euch jetzt sowas wie "die hat doch einen an der Klatsche" oder "was soll an japanischen Schildern denn so besonders sein?" denkt, dann wartet einfach ab - ich hab ein paar ganz besondere Prachtexemplare für euch auf Fotos festgehalten :)



Gleich zu Anfang zwei meiner Favoriten.
Diese niedlichen Dinger haben mich durch ganz Tokyo begleitet.
Sie sollen es den doofen Touris leichter machen, den fleißigen Japanern nicht im Weg zu stehen.
Denn wie wir alle wissen, herrscht in Japan Linksverkehr, und das gilt nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fußgänger und Rolltreppenfahrer.
In einer kleineren U-Bahn Station wie Tawaramachi, wo ich das Bild ohne Staus zu verursachen aufnehmen konnte, ist es vielleicht nicht allzu schlimm, wenn man an der falschen Seite hoch geht, aber wenn ihr mal in Shibuya seid, dann bitte beachtet um Himmels Willen die up/down Schilder, die könnten euer Leben retten!



Dieses Foto habe ich in einer Raucher Box in Akihabara aufgenommen.
Da ich zu doof war, in irgendein Wlan Netzwerk zu kommen, blieb mir nichts anderes übrig, als die "Gebrauchsanleitung" der Raucher Box zu lesen.
"Please use here with your smoking manners" - jaja, die Japaner und ihr berühmt-berüchtigtes Englisch.
Mich würde mal interessieren, ob es wohl einen speziellen Angestellten gibt, der kontrolliert, ob auch wirklich niemand "in long stretches" da drinnen bleibt...
Vielleicht probier ich das beim nächsten Mal aus, wir werden sehn.



An sich ist diese Einrichtung ja toll, um blinden (oder alten?!) Leuten das Überqueren der Straße zu erleichtern.
Aber mich erinnert die Abbildung der Person eher an "bitch, I'm fabulous!" ^.^



Noch ein Favorit von mir.
Links standen noch zwei Mülleimer mit den Beschriftungen "plastic" und "paper" - nichts Besonderes also.
Aber "drinking leaving" schlägt einfach alles!
Ich war dann vor allem auch ziemlich verwirrt, denn ich hielt einen Starbucks Becher mit ein wenig Inhalt in meiner Hand.
Sollte ich nun also den restlichen Kaffee zu "drinking leaving", den Deckel zu "plastic" und den Becher zu "paper" werfen?
Als unwissender Gaijin habe ich mich einfach für "drinking leaving" entschieden, ich hoffe, dass mich niemand dabei beobachtet hat...

Ja ja, ich rauch' schon nicht hier!

Die arme Zigarette...
Diese Bodenmarkierungen konnte ich vermehrt in Ueno erblicken.



Am besten finde ich ja, wie das alles zusätzlich zu dem Satz noch so detailliert grafisch dargestellt wird, wie für kleine Kinder.
Aber die Leute halten sich daran, man muss nur wissen wie man sein Volk dazu bringt, Regeln zu befolgen!



da haben sie allerdings recht!



"A cigarette is carried at the height of a child's face"
Und dazu dann noch die nette Veranschaulichung.
Aber ich kann mich nur wiederholen, sie haben schon recht.




Last but not least das Schild, das man in den tokyoter U-Bahn Stationen zur Genüge findet.
Und ihr solltet wirklich nicht rushen, denn das tut man in Japan einfach nicht!


Das war mal ein kleiner Einblick in die japanische Welt der Beschilderungen.
Im Mai werden mein Freund und ich uns garantiert auf Schilder-Jagd begeben, denn es gibt bestimmt noch viel mehr davon.
Ihr könnt euch gegen Ende Mai dann hoffentlich auf einen neuen Post zu diesem Thema freuen :)



Mittwoch, 9. April 2014

Countdown

Der Countdown läuft!
In 36 Tagen werden mein Freund und ich uns auf den Weg nach München machen, um (hoffentlich lebendig) von Turkish Airlines via Istanbul nach Tokyo geflogen zu werden.
Wie ich wahrscheinlich schon einmal erwähnt habe, habe ich schreckliche Flugangst, und der Absturz (oder was auch immer mit dem Flugzeug passiert sein mag - im Fall eines Absturzes wünsche ich den Familien der Passagiere viel Kraft) der MH370 trägt nicht gerade dazu bei, mich ohne Bedenken für einen 11 Stunden Flug in eine Boeing-777 zu setzen.
Aber was soll's, Japan ist halt leider nicht um die Ecke, und der Flug war wieder mal ein Schnäppchen ^.^


Wir werden am Freitag vormittags landen und am Donnerstag um die gleiche Zeit wieder nach Hause fliegen - uns bleiben also nur 6 Tage - Tokyo im Schnelldurchlauf, again!
Mein Freund will natürlich alles abklappern, wofür Tokyo bekannt ist, und da ich ohnehin alles von Akihabara bis Shinjuku noch einmal sehen möchte, sind wir beide zufrieden.
Zudem will ich dieses mal gerne in den Ueno Park, da es dort im Mai bestimmt sehr schön ist, und unser Hotel sowieso in der Gegend liegt.
Den Kaiserpalast, den Skytree und Odaiba wollen wir (ich) auch noch irgendwo einschieben, aber das klappt schon irgendwie.
Ich möchte dieses Mal auch ein paar mehr Tempel und Schreine besuchen, da ich gerne mehr als nur den Senso-ji sehen will.
Geplant sind erstmal der Nezu Schrein mit seinen vielen roten Torii, der Tokudaiji Tempel und der Ueno Toshogu Schrein.
Falls ihr noch andere sehenswerte Vorschläge habt - immer her damit!
Außerdem wollen wir (oder eher ich, mein Freund vertraut mir in der Planung blind, ihm bleibt auch nichts anderes übrig) gerne einen Tag in Enoshima und Kamakura verbringen, da ich das im Dezember aus zeitlichen Gründen leider nicht geschafft habe.
Zu allem Überfluss findet während unseres Tokyo Trips auch noch das Sanja Matsuri in Asakusa statt, das sich über das gesamte Wochenende erstreckt, da müssen wir natürlich auch hin!
Ihr seht schon, wir brauchen dann Urlaub vom Urlaub - zum Glück haben wir danach noch ein paar Tage frei und ich kann dann gleich anfangen zu posten! (sofern mich der Jetlag nicht wieder umhaut...)


Ich bin wirklich schon sehr gespannt auf unsere Reise.
Mein Freund ist noch nie weiter als bis nach London geflogen und isst zudem weder Fleisch noch Fisch - es wird also zumindest essenstechnisch sehr spannend :P
Außerdem sind wir beide furchtbar faul und bewegen uns selten mehr als notwendig, da wird er mich mal ganz anders erleben, wenn ich ihn bei sommerlichen Temperaturen durch die Straßen Tokyos scheuche.
Da meine liebe Reina uns für mindestens einen Tag begleiten wird, ist der Kulturschock bei ihm auch schon vorprogrammiert.
Aber ich arbeite nicht umsonst schon seit fast 1,5 Jahren daran, ihn für Japan zu begeistern, und ich hoffe, dass er nach dieser Reise zumindest halb so begeistert davon sein wird, wie ich (ich versichere euch, dass halb so viel Begeisterung in diesem Fall mehr als ausreichend ist, denn wer mich kennt weiß, dass es für mich selten ein anderes Thema als Japan gibt).
Ich hoffe wirklich, dass wir das alles schaffen, und ich euch nach der Reise ganz viele spannende Dinge zu berichten habe.


Montag, 7. April 2014

Weihnachten in Japan

Ein Weihnachts-Post ist Anfang April zwar etwas fehl am Platz, aber Kuriositäten aus Japan sind doch zu jeder Jahreszeit angebracht, also müsst ihr da jetzt durch.

Ich hätte wirklich nie gedacht, dass Japaner Weihnachten feiern, zumal fast niemand dort Christ ist.
Naja, feiern ist so ein Wort, aber dazu später mehr.
Als ich mit herbstlichen 15°C und bunten Blättern Anfang Dezember in Tokyo empfangen wurde, hätte ich mit allem gerechnet, aber nicht mit Weihnachtsdekoration.
Bereits auf dem Weg zum Hostel sprangen mir bunte Lichterketten ins Auge, die wahrscheinlich sogar Bürger der USA als kitschig empfunden hätten. (Oh warte, da war doch so ein Typ aus Texas im Hostel, der sich bei der "Party" lautstark über die Weihnachtsdeko in Tokyo amüsiert hat...)
Am zweiten Abend war ich noch kurz im Konbini (jap. für "convenience store") um ein paar Chips zu kaufen, als ich an einer Kreuzung auf etwas Sonderbares stieß: singende Ampeln!
Der Klang von Last Christmas, so leise er auch sein mag, ist nun wirklich nicht zu überhören, aber ich konnte einfach nicht erkennen, woher er kam.
Irgendwann bemerkte ich Lautsprecher an den Ampeln, und als ich näher heranging, wurde mir klar, dass die Musik tatsächlich von dort kam.
Eine Ampel singt spät abends Last Christmas für mich, sowas gibt es auch nur in Japan.
Als ich mit Reina durch Shibuya lief, mussten wir schmunzeln.


Dieses wundersame Ding kreuzte unseren Weg.
Leider konnten wir auch nach mehreren Minuten nicht feststellen, was es für einen Zweck erfüllen soll.
Wieder ertönte Weihnachtsmusik und einige Japanerinnen haben davor für Fotos posiert, die beiden Herren im Bild schienen etwas daran zu reparieren.
Wahrscheinlich sollte es einfach nur Weihnachtsstimmung verbreiten, wer weiß.


Auch das Einkaufszentrum "Shibuya 109" war weihnachtlich dekoriert, so wie sich das halt gehört!
Als wir Purikura machen wollten, gab es neben japanischen Schuluniformen auch Weihnachtskostüme zum Ausleihen, um die sich die jungen Japanerinnen gerade so stritten.
Selbst Reina konnte das nicht verstehen, sie meinte jedoch, dass mittlerweile auch in Japan Weihnachtskarten, am besten mit eigens gemachten Purikura, an alle Verwandten verschickt werden.
Im Tokyu Hands wurden die verschiedensten Weihnachtsmann-Kostüme und Rentier-Haarreifen angeboten, auch dort herrschte Weihnachtsstimmung bis zum Umfallen.
Bei einem alten Mann konnte man die Namen seiner Lieben in Hashi (Essstäbchen) gravieren lassen, um diese dann weihnachtlich verpackt zu verschenken.
In Shinjuku wurde es uns dann zu bunt, wortwörtlich, denn da sah es bezüglich Dekoration eher aus wie vor dem Rockefeller Center in New York.
Ich entschuldige mich für die schlechte Qualität der Fotos, aber genau so wie wir, war auch mein Handy überwältigt von den vielen Lichtern, und ich zu faul um irgendetwas einzustellen.




Ich habe durch spätere Recherchen herausgefunden, dass Weihnachten in Japan eigentlich gar keinen Wert hat (wovon ich auch immer überzeugt war, bevor ich diese Unmengen an Dekorationen gesehen habe).
Man will es anscheinend nur den USA und dem restlichen christlichen Teil der Welt gleich tun.
In Japan "feiert" man den 24. Dezember am besten mit Freunden im Kentucky Fried Chicken, wo man bereits im Oktober einen Tisch reservieren sollte, und geht danach richtig schön feiern.
Mich soll der Blitz treffen, falls ich euch hier mit falschen Informationen füttere, aber laut meinen Recherchen soll das so ablaufen, wie beschrieben.
Wenn es euch also in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder sonst wo an Weihnachtsstimmung mangelt, dann fliegt im Dezember nach Tokyo, denn da könnt ihr den Lichterketten und Weihnachtsliedern nicht entkommen!





Sonntag, 6. April 2014

Enttäuschungen


Hallo ihr Lieben :)

Der Post ließ jetzt ziemlich lange auf sich warten, aber ich habe einfach nicht die richtigen Worte gefunden, um alles so auszudrücken, wie ich es meine.
Nun möchte ich euch gerne erzählen, was mich an Japan schlussendlich so enttäuscht hat...
Wahrscheinlich findet ihr nämlich, dass die Schilderungen meiner Reise gar nicht so negativ klingen, oder?
Und vielleicht fragt ihr euch, was ich denn noch auszusetzten habe, wenn doch eh alles so gut gelaufen ist?
Die Antworten bekommt ihr, wenn ihr geduldig genug seid, um alles zu lesen :)

Gleich zu Anfang: ich habe die Reiseberichte 3 Monate nach meiner Rückkehr verfasst, und mittlerweile ist ein bisschen Gras über die ganze Sache gewachsen - ich sehe die Dinge also etwas anders als zuvor.
Natürlich habe ich mich sehr genau an meine Notizen, die ich in Tokyo gemacht habe, gehalten, jedoch habe ich den ein oder anderen Wutausbruch dann doch nicht in Worte gefasst.


1. Das Heimweh
Seit ich denken kann, habe ich Heimweh - für mich ist es einfach schrecklich, nicht in meiner gewohnten Umgebung zu sein, auch wenn ich mir sehr wünsche, mich an fremden Orten auch wohl zu fühlen.
Auch wenn ich eigentlich vor hatte, in Japan etwas mehr zu mir selbst zu finden, war (zumindest mir) von vorne herein klar, dass ich das nicht so ganz umsetzen kann, wie erhofft.
Auch wenn ich es manchmal verdränge, ich bin einfach kein Mensch, der alleine sein kann.
Eine Eigenschaft, an der ich mit 22 Jahren wirklich langsam arbeiten sollte, und das tue ich auch, denn ich kann mich schließlich nicht mein gesamtes Leben lang so stark an alles Gewohnte klammern - irgendwann muss auch mal gut sein :)

2. Die Japaner
In unzähligen Blogs habe ich darüber gelesen, wie freundlich die Japaner sein sollen, und dass sie einem auch ohne Aufforderung sofort helfen, wenn man sichtlich verwirrt in der Shibuya Station steht.
Auch dass vor allem die jungen Leute viel Interesse an Ausländern zeigen und Kontakte knüpfen wollen, ist mir ganz und gar nicht aufgefallen.
Vielleicht lag es auch an meinen orangen Haaren und dem Septum, aber wenn ich an die Leute in Harajuku denke, dann verstehe ich nicht, was an mir so abnormal sein soll.
Leider musste ich feststellen, dass die meisten Japaner, die ich um Hilfe gebeten habe, mit den Worten "English? No, no" davongelaufen sind.
In der U-Bahn waren die Plätze links und rechts neben mir leer, egal wie voll die Bahn auch war, und das habe ich als sehr unangenehm und auch irgendwie verletzend empfunden, vor allem wie ich angestarrt wurde.
Wahrscheinlich wäre mir das nicht so sehr aufgefallen, wäre ich mit einer anderen Person gereist - man redet halt schließlich miteinander und achtet nicht so sehr auf seine Umgebung.
Was ich mir nicht erklären kann ist, dass vor allem ältere Menschen (so um die 60-70) versucht haben, mir zu helfen, auch wenn deren Englisch noch wundersamer ist, als das der jungen Leute.
Mein Freund hat mich dann aber auf eine sehr simple Theorie gebracht.
Wenn ich beispielsweise am Westbahnhof in Wien nach dem Weg frage, werden sich weniger Leute dazu bereit erklären, mir zu helfen, als in einer kleinen Stadt - auch wenn die Leute hier vielleicht gar nicht bis wenig Englisch können, da die Menschen einfach herzlicher und nicht so gestresst sind.
Hätte ich einen täglichen Weg von 2 Stunden zur Arbeit und selbigen dann abends wieder retour, würde ich wahrscheinlich auch nicht mehr genügend Nerven übrig haben, um jemand den Weg zu zeigen, in einer Sprache, die ich ohnehin nur sehr schlecht spreche - angeborene Höflichkeit hin oder her.


3. Die Sprache
Ursprünglich wollte ich ja damit anfangen, konsequent Japanisch zu lernen, um mich besser mit den Leuten unterhalten zu können.
Seit meiner Rundreise vor mittlerweile 8 Jahren habe ich davon geträumt, zurück nach Japan zu kommen und auch mein Japanisch unter Beweis zu stellen.
Spätestens im Flugzeug hat es mich dann sehr geärgert, dass mein Wortschatz nur aus "konnichiwa" und "sayonara" besteht - reine Faulheit, denn ich bin sprachlich sehr begabt und ich hätte es in den 8 Jahren bestimmt leicht geschafft, mehr oder weniger fließend Japanisch zu sprechen.
Im Dezember konnte ich auch noch nicht wissen, dass sich mir so bald wieder die Chance bieten würde, nach Tokyo zu fliegen, und so waren die Träume vom Japanisch-Sprechen fürs erste zerstört, und ich war selbst daran schuld, was mich wahrscheinlich am meisten geärgert hat.
Ich liebe den Klang von Japanisch - und ich denke, dass mich die Tatsache, keine kleinen Erfolgserlebnisse im Verstehen oder Sprechen zu haben, mehr gestört hat, als die fremde Sprache um mich herum.
Ich bin mir außerdem ziemlich ignorant (irgendwie nicht das richtige Wort...) vorgekommen, weil ich meiner Freundin Reine erzählt habe, wie sehr ich Japan liebe und wie lange ich mich schon damit beschäftige, und dann doch einfach zu faul war, zumindest ein paar einfache Sätze zu lernen.


4. Die hohen Erwartungen
Ein sehr ausschlaggebender Punkt, finde ich.
Nach Digimon, Dragonball, Sailor Moon und vielen anderen Serien bildet sich nach und nach eine Meinung zu Japan, ob bewusst oder unbewusst.
In diesen Serien werden Realität und Fiktion so stark miteinander verknüpft, dass man als Kind zwar (vielleicht) einen Unterschied erkennt, das Unterbewusstsein jedoch beide Faktoren als Einen verarbeitet.
Studio Ghibli setzt noch einen drauf und stellt das ganze Land dann als noch mystischer und wundersamer dar, als es eigentlich ist, zumindest in Chihiros Reise ins Zauberland und Prinzessin Mononoke.
Natürlich weiß ich, dass in Japan keine Pokémon herumrennen oder Ähnliches, aber trotzdem sitzt ganz tief in mir eine Vorstellung von diesem Inselstaat, die ich seit Kindestagen mit mir herumtrage.
Meine Mama hat gemeint, dass ich nun erwachsen sei und mich halt damit abfinden müsse, dass das alles doch nicht so ist, wie ich dachte.
Aber ich kann mich einfach nicht damit abfinden, dass ich das alles mit 14 Jahren noch als so wundersam und einzigartig empfunden habe, und jetzt nicht mehr.
Ich will das auch jetzt nicht einsehen, denn mittlerweile habe ich meine eigenen Antworten gefunden.
Wenn ich mich recht erinnere, hat mich Tokyo 2006 wenig begeistert, zumindest was das "alte, spirituelle" Japan angeht.
Natürlich war die Stadt auch damals schon der Knaller und nicht viele Großstädte können mit der Vielfalt Tokyos mithalten.
Was mich damals am meisten berührt hat, war definitiv Kyoto mit seinen verwinkelten Gassen, das ursprüngliche Bergdorf Takayama und last but not least: die Insel Miyajima vor Hiroshima, deren Schönheit ich kaum in Worte fassen kann.
DAS ist das Japan, so wie ich es mit immer vorgestellt habe, und ein eher enttäuschender Aufenthalt in Tokyo kann daran nichts ändern, hoffe ich zumindest.
Ich bin mir diesmal auch darüber im Klaren, dass ich nach TOKYO fliege, und nicht in irgendeinen spirituelleren Ort in Japan.
Wahrscheinlich haben die Jahre voller Sehnsucht meine Vorstellungen zu sehr beeinflusst, und ich arbeite mit Hochdruck daran, diesmal alles etwas weniger naiv zu sehen.
Also drückt mir die Daumen (^o^)


5. Die Jahreszeit
Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Jahreszeit etwas zu meinem Missfallen an Japan beigetragen hat.
Wenn ihr das Wort Japan hört, woran denkt ihr dann?
Also ich denke an rote Tempel, den Fuji, Anime und Kirschblüten.
Natürlich wusste ich, dass der Dezember nicht der beste Monat ist, um nach Tokyo zu fliegen, und ich wusste auch, dass es um diese Jahreszeit keine blühenden Kirschbäume gibt - leider war der Flug halt nur in diesem Zeitraum so günstig und meine Sehnsucht sehr groß.
Auch wenn ich ziemlich überrascht von dem herbstlichen Wetter war, war es trotzdem nicht die beste Jahreszeit für mich.
Diesen Punkt finde ich nur wenig ausschlaggebend, doch meiner Ansicht nach ist die "falsche" Jahreszeit der Punkt, der das sehr volle Fass dann doch zum Überlaufen brachte.


Vielleicht gibt es unter euch auch jemanden, der in Japan war und enttäuscht wurde.
Und vielleicht wird es irgendjemandem von euch auch mal so oder so ähnlich gehen wie mir.
Deshalb hoffe ich, einigen mit diesem Post weiterzuhelfen, oder euch einfach nach langem auf-die-Folter-spannen endlich zu erklären, was mich dann schlussendlich gestört hat.

Ich freue mich unendlich darauf, im Mai gemeinsam mit meinem Freund die Stadt Tokyo erkunden zu können, denn ich bin dieses Mal nicht alleine und die Jahreszeit ist auch eine bessere.
Einerseits bin ich sehr traurig, dass mir Japan (zumindest Tokyo) gezeigt hat, wie es wirklich ist, und ich mich deshalb gegen ein Japanologie-Studium entschieden habe - aber andererseits bin ich froh, das jetzt gesehen zu haben, und nicht erst im vierten Semester beim Auslandsjahr - kurz vor Studienabschluss.
Ich bin nun trotzdem schon fleißig am Japanisch-Lernen, kann schon fast alle Hiragana lesen und befasse mich sehr intensiv mit der Grammatik, damit ich diesmal auch wirklich einige kleine Erfolgserlebnisse habe, und sei es, dass ich nach einer Toilette fragen kann (ja, das Wichtigste lernt man zuerst xD).
Zwar erwische ich mich oft wieder dabei, wie ich Japan in übertriebenem Ausmaß vergöttere, aber ich bin zuversichtlich, dass ich dieses Mal nicht enttäuscht werde, weil ich jetzt weiß, was mich erwartet.

Diesen Post zu verfassen ist mir sehr schwer gefallen.
Ich öffne mich vor all meinen Lesern, wie ich mich nicht einmal vor meiner Familie geöffnet habe.
Aber der erste Schritt zur Besserung ist bekanntlich die Einsicht :)