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Freitag, 8. Mai 2015

NIH♡N 2015 - Miyajima und die Rehe

Dienstag, 31.März 2015

Heute schälen wir uns schon um kurz vor sechs Uhr aus dem Bett, denn wir fahren nach Hiroshima. Überpünktlich haben wir an der Kyoto Station sogar noch Zeit, um uns ein Frühstück bei Starbucks zu holen, bevor unsere Reise mit dem Shinkansen um 08:00 Uhr beginnt.

Mango Frappuccino *^*

Was ich bei der Fahrt von Shinagawa nach Kyoto noch nicht ganz gerafft habe: im Shinkansen gibt's ne Smoking Area :D Yiss, gleich rein da, das ist Luxus pur - liebe ÖBB, wie wär's? Als ich die vernebelte Kammer betrete, verlässt eine blonde Frau ebendiese mit den Worten "du, i geh nu schnö aufs Klo, gö". Heimatliche Klänge am anderen Ende der Welt! Als sie weg ist frage ich die noch rauchende Frau, ob sie aus Österreich kommt, und tatsächlich, die beiden sind aus Oberösterreich, genau wie Malie. Was ist das denn für ein Zufall? Wir plaudern noch eine Weile über unsere Reiserouten und gehen dann wieder zurück auf unsere Plätze. Die Österreicher sitzen zufällig direkt vor und hinter uns - in einem Zug mit 16 Waggons, mehr als 9000km von Zuhause entfernt, einfach irre. Nach zwei Stunden sind wir dann in Hiroshima und müssen nun mit einem Regionalzug weiter nach Miyajimaguchi - kein Problem, mit dem Rail Pass kommen wir voll VIP überall schneller durch und erwischen gleich den nächsten Zug. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt sind wir dann da, und man kann schon das Meer riechen. Unglaublich, wie viele Kilometer wir in den letzten paar Tagen schon zurückgelegt haben! Auf der Suche nach einer Smoking Area begegnen wir einem japanischen Wachmann, der uns, anstatt uns den (wirklich unkomplizierten) Weg zu erklären direkt zur Smoking Area begleitet, und uns einen schönen Aufenthalt auf Miyajima wünscht - so lieb. Dank unseres Rail Passes können wir die JR Fähre kostenlos nutzen. Die Überfahrt dauert nur etwa zehn Minuten, dann können wir von Bord und endlich zu den Rehen und dem roten Torii image



Austernfarmen in der Bucht

Gleich als erstes kontrollieren wir noch einmal, ob auch alles, was wir an Papier (Rail Pass, Reisepass) dabei haben gut und sicher verstaut ist, denn nach nur fünf Minuten beobachten wir einen deutschen Touristen, der erbittert mit einem Reh um seine Papiertasche kämpft. Das Reh hat übrigens gewonnen. Wir wissen gar nicht, wo oder was wir zuerst fotografieren sollen, sooo viele niedliche Rehe und die wunderschönen Gassen - ahhh, ich hoffe, dass unsere Speicherkarte ausreicht! Mit unserem Selfie Stick bewaffnet setzen wir uns zu einem Reh und machen Fotos - anscheinend sieht das für Außenstehende furchtbar komisch aus, denn wir werden fotografierenderweise fotografiert und hören von allen Seiten "kawaii". Wir hätten eigentlich eine Liste führen sollen um all die "kawaii" Ausrufe zu dokumentieren - beim nächsten Mal dann! Nachdem wir vorerst genügend Rehe fotografiert haben machen wir uns auf den Weg zum Strand. Leider ist es sehr trüb und und auch etwas kühl, aber trotz allem wunderschön. Ich war schon so lange nicht mehr am Meer und freue mich, den Wellen zuzuhören, während ich am Strand sitze und Rehe beobachte. Irgendwie unwirklich das alles - am Strand Rehe beobachten, unweit der vor 70 Jahren zerstörten Stadt, auf einer heiligen Insel, und das als Atheist, Gefühlschaos.

Der Kampf um die Papiertasche



Unsere nächste Station ist das berühmte rote Torii, das mitten im Wasser steht. Als wir dort sind ist gerade Ebbe, und so können wir bis fast ganz nach vorne laufen, genau wie all die anderen Touristen. Wenn man es auf den Fotos sieht, glaubt man gar nicht, wie groß das Torii tatsächlich ist, aber steht man davor, dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich war zwar 2006 schon mal hier ,aber so groß hatte ich es nicht in Erinnerung. Schönes symbolisches Eingangstor für einen schönen Schrein.







Ich weiß nicht wie es Malie geht, aber die Stimmung ist heute irgendwie anders, nicht schlecht, aber angespannt. Wir wollen später nochmal zum Wahrzeichen Miyajimas zurück und bezahlen erstmal den Eintritt zum Itsukushima Schrein. Wir spazieren durch und machen einige Fotos, aber irgendwie versaut uns das Wetter die Stimmung. Wir beschließen, uns auf den Weg zum Mt. Misen zu machen, bzw. zum Miyajima Ropeway, denn für eine Wanderung auf den 535m hohen Berg sind wir nicht adäquat gekleidet, und Zeit haben wir auch nicht, und faul sowie unsportlich sind wir obendrauf XD Also spazieren wir durch die wunderschönen Gassen von Miyajima, gehen in diesen und jenen Souvenirshop, und folgen den Schildern. Unterwegs treffen wir wieder und wieder auf freilaufende Rehe, die wir erneut gnadenlos fotografieren.







Mit dem Ropeway geht's um 1800 Yen (Roundtrip Ticket) einmal mit der (meiner Meinung nach) wackeligsten Seilbahn der Welt für zehn Minuten hoch. Zu meinem Entsetzen sind wir dann aber noch nicht ganz angekommen! Mit einer anderen, stabiler wirkenden Seilbahn geht es noch einmal weiter. Ganz oben angekommen können wir dann auf die umliegenden Inseln und das Meer blicken. Es muss bei klarem Wetter ein traumhafter Ausblick sein, leider ist es immer noch sehr trüb, und so kommt die tolle Aussicht auf den Fotos nicht so gut rüber. Wir schießen einige Fotos und machen uns nach einer halben Stunde wieder auf den Weg ins Tal. Unten angekommen spüren wir zum ersten Mal die Strapazen der letzten Tage. Wir sind wirklich ausgelaugt und schwach, daher setzten wir uns hin, essen erstmal etwas und fotografieren die umherstreunenden Rehe. Jo, die haben's uns wirklich angetan.


Die Reh-Gang




Ausblick von ganz oben




Die rüttelnde Seilbahn D:

Sakura-Spielereien mit der Handycam


DAS BEWEISFOTO!!!

Mein neuer Freund und ich

Um 16:00 Uhr machen wir uns auf den Weg, wir wollen auf keinen Fall den Shinkansen verpassen, und müde sind wir auch. Mit der Fähre zurück nach Miyajimaguchi, mit dem Regionalzug zurück zur Hiroshima Station und hier erstmal eine Stunde lang auf den reservierten Zug warten. Wir holen uns Onigiri und suchen geschlagene 20 Minuten nach einer Smoking Area, sowohl in als auch um den Bahnhof herum, aber wir finden keine. Wenn's irgendwo eine Smoking Area gibt, dann doch am Bahnhof, oder hab ich das die letzten drei Mal in Japan falsch verstanden??? Da wir keine finden rauche ich einfach so, ich bin angepisst und das merkt man mir auch an. Irgendwann können wir endlich zu den Gleisen und wir warten, ausgefroren und erschöpft, auf den Shinkansen, der uns bis nach Shin-Osaka bringt. Wir sitzen diesmal getrennt von einander, was aber nicht weiter schlimm ist, denn wir schlafen gleich nach Abfahrt ein. In Shin-Osaka steigen wir um und fahren noch 1-2 Stationen bis zur Kyoto Station. Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich gar nicht wirklich an den Ablauf erinnern, wir waren wohl wirklich kaputt! Im Hotel beschließen wir dann, doch schon gegen Mittag und nicht erst abends nach Tokyo zu fahren, da es morgen arschkalt werden, und obendrein noch regnen soll. Auch wenn unsere Füße nach so einem Tag zu nichts mehr zu gebrauchen sind, hat sich der Ausflug nach Miyajima auf jeden Fall gelohnt!


Erkenntnis des Tages
Rehe sind blutrünstige Monster! Naja, nicht ganz, aggressiv können die aber schon werden, wenn man etwas zu essen (in deren Fall kann das auch gerne Papier oder eine Plastiktüte sein XD) in Händen hält. Von Malies süßer Studio Ghibli Tasche haben die Viecher gleich mal einen Riemen abgebissen - es gibt sogar ein Beweisfoto!

Frage des Tages
Warum isst man freiwillig Natto? D: Wir haben uns aus Neugierde eine Packung geholt und bähhh, das stinkt! Sooo schrecklich wie befürchtet schmeckt es zwar nicht, aber es sieht sowas von eklig aus. Aus Jugendschutzgründen mag ich nicht aussprechen, woran die glitschige Konsistenz erinnert, aber das sollte euch aufgrund meiner Umschreibung jetzt auch klar sein XD




Montag, 21. April 2014

Across Japan 2006 Teil 2

Tag 4 - 17.07.2006
Erneut müssen wir früh aufstehen - denn heute geht es mit dem Shinkansen nach Hiroshima!
Unsere japanische Reiseleiterin Kyoko hat uns allen unsere Japan Rail Pässe ausgeteilt, mit denen können wir nun jeden Zug, jeden Shinkansen und jedes andere öffentliche Verkehrsmittel in ganz Japan nutzen.
Wir sind begeistert von diesen fortschrittlichen Hochgeschwindigkeitszügen - die Japaner verstehen einfach was von Technik.
Die Fahrt ist angenehm und ruhig, die Disziplin der Japaner in öffentlichen Verkehrsmitteln liegt in der Luft, undenkbar in Österreich.
Gleich nach unserer Ankunft begeben wir uns auf eine Fähre, die uns auf die wunderschöne Insel Miyajima bringen soll - das Highlight meiner Reise.
Nach einer Stunde kommen wir endlich an und ich bin den Tränen nahe, das rote Torii im Wasser zeigt sich in vollem Glanze, und alles ist noch viel schöner, als ich es mir jemals hätte erträumen können.





Miyajima gilt bereits seit frühhistorischer Zeit als heiliger Ort.
Die wohl größte Besonderheit sind die freilaufenden Rehe, die es vor allem auf Papier abgesehen haben! (laut unserer Reiseleiterin soll man seinen Pass sehr gut verstauen, denn es ist bereits vorgekommen, dass die Rehe die Reisepässe von Touristen geschnappt und gegessen haben)
Noch nie zuvor habe ich ein Reh gestreichelt, und hier laufen die auf einen zu als wäre man Futter!
Früher durfte es auf der Insel übrigens weder Geburten noch Todesfälle geben, da dies als unrein angesehen wurde.
Frauen dürfen Miyajima erst seit dem 20. Jahrhundert betreten - na Gott sei dank haben wir 2006!

Itsukushima Schrein



Itsukushima Schrein - auf Pfeilern im Wasser gebaut

Wir haben etwas Zeit, die Insel zu erkunden und Souvenirs zu kaufen.
Ich lasse wieder mal ein paar Bilder sprechen :)

die alten Gassen Miyajimas


Pilgerweg auf den Gipfel des heiligen Berges Misen

die Rehe und ich - mein Look war ja unschlagbar!





alte No-Bühne

Nachdem wir uns alle wieder versammelt haben, fahren wir zurück ans Festland.
Ohne eine Pause geht es weiter zum Friedenspark in Hiroshima, wo wir den bekannten Dom und einige Denkmäler besichtigen.
Die Geschichten sind so ergreifend, vor allem die, der Sadako Sasaki.
Bereits vor unserer Reise hatte ich das Buch "meine Schwester Sadako" gelesen - ich war eine der wenigen, die die Geschichte bereits kannten.
Das Buch möchte ich euch ganz nebenbei sehr ans Herz legen, es lohnt sich wirklich, es zu lesen.
Sadako lebte in Hiroshima und musste die Auswirkungen in Form von Krebs miterleben.
Im Krankenhaus faltete sie monatelang 1000 Kraniche aus jedem Schnipsel Papier, den sie ergattern konnte, denn laut einer alten japanischen Sage hat man dann einen Wunsch frei.
Das Ende lasse ich erstmal offen...
Jährlich kommen zum Gedenken viele Schulklassen nach Hiroshima und bringen ihre selbst gefalteten Kraniche zum Denkmal.

zerbombter Dom

Denkmal für Sadako

Origami Kraniche von japanischen Schulklassen

Nachdem wir auch noch das Museum besuchen, ist die Stimmung sehr gedrückt.
Die Geschichten der Opfer sind einfach zu traurig.
Es sind verkohlte Brotboxen von Schulkindern ausgestellt, auch einige von Sadako gefaltene Kraniche kann man bestaunen.
Nach der ein oder anderen Träne machen uns alle schweigend auf den Weg zum Abendessen - heute gibt es Okonomiyaki!
Es besteht aus Kohl, Wasser, Mehl und Dashi, dazu kommen noch diverse Fleisch- oder Fischsorten, Eier - die Zutaten variieren von Region zu Region.

Shopping-Meile in Hiroshima

die Zubereitung von Okonomiyaki


das Endergebnis, jedoch noch ohne den Sirup, der darüber kommt


Tag 5 - 18.07.2006
Heute geht es weiter nach Himeji, wo wir die Burg des weißen Reihers, Shirasagi-jo, besichtigen werden.
Leider habe ich nur noch wenige Erinnerungen, was diesen Tag betrifft, und laut meinen Aufzeichnungen ist auch nichts wirklich Aufregendes passiert, außer der Besichtigung der Burg.
Die Himeji-Burg galt früher als uneinnehmbar und wurde im zweiten Weltkrieg zwar bombardiert, jedoch nur wenig beschädigt.

verregneter Blick auf die wunderschöne Burg



ich liebe diese Dächer!



Koi Karpfen im Park vor der Burg